Geistlicher Impuls
- Geistlicher Impuls | Mai 2026
Die Kirche versteht es zu feiern.
Während ich diese Zeilen schreibe, ist noch die Erfahrung der Kartage in mir lebendig:
der Gründonnerstag mit dem großartigen Geschenk der Eucharistie, die anschließende stille Anbetung in der Seitenkapelle;
das Mitgehen und Mitleiden des Kreuzweges Jesu, sein Tod am Kreuz, ein stiller, ernster Gottesdienst -
und dann der Einzug in die dunkle Kirche, der Jubel, das „Frohlocket“ in der Osternacht, die volle Kirche mit frohen, oft strahlenden Menschen – ein unvergessliches Erlebnis.Für uns Heutige überraschend, gab es im Mittelalter in manchen Kirchen die Tradition, dass die Geistlichen durch die Kirche tanzten, um ihrer Freude über Jesu Auferstehung Ausdruck zu verleihen. Welch ein beeindruckendes und beschwingendes Bild dieses „heilige Spiel“ geboten haben muss. (aus ‚Christ in der Gegenwart‘ Heft 14/2026)
Die Kirche versteht es zu feiern.
Vielleicht liegen Ihnen Gedanken an Feiern, an Feste mit ihrer Fröhlichkeit und Freude ganz fern, während die Turbulenzen und Widersinnigkeiten der weltpolitischen Lage so manchem von uns den Schlaf rauben.
Religion jedoch lebt von solchem Feiern.
Wir durchleben gerade den großen Festzyklus des Kirchenjahres:
50 Tage lang, von Ostern bis zum Pfingstfest, feiert die Kirche den Jubel und die Freude über die Auferweckung Jesu bis hin zur Sendung des Geistes Gottes, der am Pfingstfest den Frauen und Männern, die sich aus Furcht vor den Juden verbarrikadiert haben, mit solcher Macht begegnet, als bräche ein Sturm über sie herein, der all ihre Angst wegbläst und sie mit einem Feuer der Begeisterung erfüllt.In unserer heutigen Zeit der so bedrohlichen Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und den vielen Krisengebieten der Welt fragen viele Menschen, was ihnen Halt geben kann.
Mir persönlich gibt mein Glaube an die unfassbare Liebe unseres Gottes das Vertrauen, dass Gott letztlich alles zum Guten führen wird.
Jesus hat unser menschliches Leben geteilt, so dass es in unserem Leben nichts gibt, das gott-los wäre, wo Gott nicht dabei wäre.
Ostern schenkt mir die Gewissheit, dass nicht die hässliche Fratze des Hasses, der Gewalt, der Kriege…, dass nicht das Böse, das letzte Wort haben wird.Und dass nicht der Tod uns holen wird, sondern Gott.
Helena Kassel

