Am Palm­sonn­tag, dem 29. März, wur­de die Kir­che St. Joseph in Sie­gen zum Ort eines ein­drucks­vol­len geist­li­chen Musik­erleb­nis­ses. Der Kam­mer­chor Wei­den­au brach­te unter der Lei­tung von Hel­ga Maria Lan­ge die Tei­le II und III des Ora­to­ri­ums „Der Mes­si­as“ von Georg Fried­rich Hän­del zur Aufführung.

Inmit­ten der begin­nen­den Kar­wo­che ent­fal­te­te die­ses gro­ße Werk sei­ne gan­ze geist­li­che und musi­ka­li­sche Kraft und konn­te schon ein gan­zes Stück über den Palm­sonn­tag hin­aus auf das gro­ße Ziel die­ser Hei­li­gen Woche hin­wei­sen: das lee­re Grab und die Auf­er­ste­hung am Oster­mor­gen. 

Mit gro­ßer Hin­ga­be und klang­li­cher Geschlos­sen­heit gestal­te­te der Chor die viel­schich­ti­gen Chor­sät­ze des zwei­ten Teils, begin­nend mit der Pas­si­ons­ge­schich­te und mach­te sowohl das Lei­den und die Ver­herr­li­chung Chris­ti als auch die öster­li­che Hoff­nung des drit­ten Teils ein­drucks­voll hör­bar. Die Sänger/innen über­zeug­ten mit kla­rem Klang, gro­ßer Aus­drucks­kraft und spür­ba­rer musi­ka­li­scher Inten­si­tät auch in den schnel­len, anspruchs­vol­len Kolo­ra­tu­ren, wenn es zum Bei­spiel um die Zer­streut­heit der Her­de der Gläu­bi­gen ging oder die Aus­brei­tung des Evan­ge­li­ums. Beson­ders in den gro­ßen Chor­sät­zen und den fugier­ten Abschnit­ten, wie der groß ange­leg­ten Amen-Schluss­fu­ge, ent­fal­te­te sich die gan­ze Strahl­kraft die­ses berühm­ten Werkes.

Die Beglei­tung über­nahm die Came­ra­ta instru­men­ta­le Sie­gen, gut vor­be­rei­tet von ihrer Kon­zert­meis­te­rin Annet­te Pan­kratz. Die Strei­cher, Obo­en und Trom­pe­ten tru­gen mit sti­lis­ti­scher Sicher­heit und klang­li­cher Trans­pa­renz wesent­lich zur Tie­fe und Schön­heit der Auf­füh­rung bei. Die Solis­tin­nen und Solis­ten Andrea Graff (Sopran), San­dra Ger­lach (Alt), Leon Noel Wep­ner (Tenor) und Joel Urch (Bass) gestal­te­ten ein­fühl­sam ihre Bei­trä­ge. Die Ari­en und Rezi­ta­ti­ve füg­ten sich naht­los in das Gesamt­bild ein und setz­ten zugleich ein­drucks­vol­le indi­vi­du­el­le Akzen­te. Ins­be­son­de­re in der Bass-Arie „Die Trom­pe­te erschallt“, bei der Gisel­her Pan­kratz sou­ve­rän und klang­schön den Trom­pe­ten­part über­nahm, wur­de der öster­li­chen Hoff­nung auf die Auf­er­ste­hung in fest­li­cher und zugleich kraft­vol­ler Wei­se musi­ka­lisch Aus­druck verliehen.

Die Kir­che war voll besetzt, und die gro­ße Anteil­nah­me des Publi­kums zeig­te, wie sehr die­se Auf­füh­rung die Men­schen berühr­te. Der lang anhal­ten­de Bei­fall war Aus­druck tie­fer Dank­bar­keit für einen Abend, an dem Musik und Glau­be auf beson­de­re Wei­se zusammenfanden.

Als Zuga­be erklang noch ein­mal der macht­vol­le Schluss­chor aus dem zwei­ten Teil: das berühm­te „Hal­le­lu­ja“ mit Pau­ken und Trom­pe­ten in fest­li­chem Glanz. So ende­te ein Kon­zert, das vie­len als wür­di­ger und bewe­gen­der Auf­takt in die Hei­li­ge Woche in Erin­ne­rung blei­ben wird.

Text: Dr. Wolf­gang Hein 
Fotos: Ste­fan Heinen