Ein hei­ter-beschwing­ter Kar­ne­vals­sonn­tag vol­ler Musik begeis­ter­te die Besu­che­rin­nen und Besu­cher in der Kir­che St. Joseph. Domi­nik Engel (Vio­li­ne) und Deka­nats­kir­chen­mu­si­ke­rin Hel­ga Maria Lan­ge (Orgel) gestal­te­ten dort ein abwechs­lungs­rei­ches Kon­zert, das ganz im Zei­chen von Leich­tig­keit, Tanz­rhyth­men und musi­ka­li­schem Humor stand. 

Von Beginn an sprang der Fun­ke zum Publi­kum über. Mit dem über­aus popu­lä­ren, char­man­ten und humor­vol­len Cha­rak­ter­stück „Hein­zel­männ­chens Wacht­pa­ra­de“ von Kurt Noack (in einer Bear­bei­tung für Vio­li­ne und Orgel) war der hei­te­re Ton gesetzt. Schwung­voll ging es wei­ter mit einem der popu­lärs­ten Mär­sche in den USA und vie­len ande­ren Län­dern, der „The Washing­ton Post“ von John Phil­ip Sou­sa, den Hel­ga Maria Lan­ge vir­tu­os und rhyth­misch prä­zi­se an der Orgel prä­sen­tier­te. 

Auch Salon- und Tanz­mu­sik kam nicht zu kurz: Der welt­weit bekann­te Wal­zer „Fasci­na­ti­on“ von Fer­mo Dan­te Mar­chet­ti, die lyrisch-roman­ti­sche „Melo­die“ von Anton Rubin­stein sowie die zu Her­zen gehen­de Tanz­wei­se „Lie­bes­leid“ von Fritz Kreis­ler zeig­ten die gesang­li­chen Qua­li­tä­ten der Vio­li­ne, getra­gen vom war­men Ton der fein regis­trier­ten ein­fühl­sa­men Beglei­tung der Orga­nis­tin. Mit dem bri­tisch-humor­vol­len „Scher­zo for the White Rab­bit“ von Nigel Ogden, einem quir­li­gen Orgel­stück vol­ler über­ra­schen­der Wen­dun­gen, bewies die Orgel zudem ihre ver­spiel­te Seite.

Ein beson­de­rer Höhe­punkt war der Aus­flug in die Welt des Rag­time: „The Enter­tai­ner“ und „Bethe­na“ von Scott Jop­lin lie­ßen förm­lich das Flair frü­her Tanz­sä­le auf­le­ben. Die Inter­pre­ten ver­stan­den es, rhyth­mi­sche Prä­gnanz und tän­ze­ri­sche Leich­tig­keit auf char­man­te Wei­se zu ver­schmel­zen. Tan­go-Lei­den­schaft brach­te anschlie­ßend „El Cho­clo“ (Der Mais­kol­ben) von Ángel Vil­lol­do in den Kirchenraum.

Medi­ter­ra­nen und latein­ame­ri­ka­ni­schen Schwung mit sti­lis­ti­scher Viel­falt brach­ten der Tan­go und der Charles­ton aus den „Sie­ben Tän­zen“ für Orgel solo von der die nie­der­län­di­sche Orga­nis­tin Mar­ga­re­tha Chris­ti­na de Jong und die sprit­zi­ge „Horn­pipe Humo­res­que“ des bri­ti­schen Orga­nis­ten Noel Rawst­hor­ne, in der gleich meh­re­re bekann­te The­men ver­ar­bei­tet wer­den: die Melo­die des “Sailor’s Horn­pipe” (einem Matro­sen­tanz), das Hupen des Schiffs­hor­nes, die „Rule Bri­tan­nia“, Vival­dis “Früh­ling” und der Beginn der glanz­vol­len „Widor-Toc­ca­ta“. 

Fest­li­chen Glanz ver­lie­hen dem Pro­gramm außer­dem der „Bolé­ro“ und das „Sor­tie“ (für Orgel solo) von Lou­is James Alfred Lefé­bu­re-Wely (der übri­gens Vor­gän­ger von Camil­le Saint-Saens als Orga­nist in der Kir­che St. Made­lei­ne in Paris war). Die „Humo­res­ke“ von Antonín Dvořák und der zar­te „Tanz der Zucker­fee“ aus dem „Nuss­kna­cker“ von Peter Iljitsch Tschai­kow­sky, der wun­der­bar glit­zernd mit melo­di­schem Charme auf der Orgel regis­triert war. Man konn­te förm­lich hören, dass das Stück ursprüng­lich für die „himm­li­sche“ Celes­ta kom­po­niert war, einem dem Glo­cken­spiel ähn­li­chen Instru­ment. Als letz­ter Pro­gramm­punkt erklang der mit­rei­ßen­de „Radetz­ky-Marsch“ von Johann Strauß in einer Bear­bei­tung für Vio­li­ne und Orgel, bei dem die Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rer sich zum Mit­klat­schen ani­mie­ren lie­ßen.  

Das Publi­kum dank­te den Künst­lern mit lang anhal­ten­dem ste­hen­den Applaus für ihre sti­lis­ti­sche Wand­lungs­fä­hig­keit und das sen­si­ble Zusam­men­spiel und erhielt als Zuga­be noch ein­mal augen­zwin­kern­de Unter­hal­tung mit der beschwing­ter „Penguin’s Play­ti­me“, erneut von Nigel Ogden, sowie als Raus­schmei­ßer das berühm­te Kar­ne­vals­lied „Am Ascher­mitt­woch ist alles vorbei“.

So wur­de der Kar­ne­vals­sonn­tag zu einem musi­ka­li­schen Fest vol­ler Charme, Vir­tuo­si­tät und guter Lau­ne – ganz im Sin­ne der „Fünf­ten Jahreszeit“.

Text: Dr. Wolf­gang Hein
Fotos: Ste­fan Heinen