Unter dem Mot­to „Zwi­schen Him­mel und Erde“ erklang am ver­gan­ge­nen Sonn­tag in St. Joseph geist­li­che und welt­li­che Musik in einer unge­wöhn­li­chen Beset­zung aus zwei Tas­ten­in­stru­men­ten: Dr. Maik Hes­ter (Akkor­de­on, E‑Piano) und Daph­ne Tolz­mann (Flü­gel) spiel­ten Wer­ke aus der Barock­zeit über die Klas­sik bis hin zur Moder­ne und das Akkor­de­on, das die deut­schen Lan­des­mu­sik­rä­te zum „Instru­ment des Jah­res 2026“ gekürt haben, wur­de in sei­ner klang­li­chen Viel­falt vorgestellt.

Zu Beginn spiel­ten die bei­den Musi­ker das bekann­te „Air“ aus der Suite D‑Dur von Johann Sebas­ti­an Bach, gefolgt vom Sici­lia­no aus der Sona­te Es-Dur, in dem das Akkor­de­on die Solo­stim­me über­nahm und sich deut­lich gegen den Klang des Flü­gels auf­grund sei­ner war­men und vol­len Ton­ge­bung abhe­ben konn­te. Mit der 3‑sätzigen Sona­te in G‑Dur von John Stan­ley blie­ben die bei­den Musi­ker im Barock­zeit­al­ter. Auch hier war das Akkor­de­on, des­sen Metall­zun­gen Ähn­lich­kei­ten haben mit denen der Zun­gen­pfei­fen einer Orgel, im Zusam­men­spiel mit dem Flü­gel gut trag­fä­hig und trans­pa­rent im hal­li­gen Kir­chen­raum zu hören. Anschlie­ßend erklang in einer ein­drucks­vol­len Inter­pre­ta­ti­on und per­fek­tem Zusam­men­spiel von Akkor­de­on und Flü­gel das durch sei­ne häu­fi­ge Ver­wen­dung als Film­mu­sik berühm­te Ada­gio in g‑Moll, das fälsch­li­cher­wei­se dem Barock-Kom­po­nis­ten Tom­ma­so Albi­no­ni zuge­schrie­ben wird, aber in Wirk­lich­keit aus der Feder von Remo Gia­zot­to (1910–1998) stammt. Es war erstaun­lich, was für eine dyna­mi­sche Band­brei­te Maik Hes­ter sei­nem Instru­ment ent­lo­cken konn­te, immer gefühl­voll und sen­si­bel beglei­tet von Daph­ne Tolz­mann am Flü­gel. In der Kom­bi­na­ti­on Flü­gel und E‑Piano, das Maik Hes­ter zusätz­lich mit­ge­bracht hat­te, erklang der 1. Satz aus der „Klei­nen Nacht­mu­sik KV 525“ von W. A. Mozart in einer Bear­bei­tung für 4 Hän­de sowie die „Trois morceaux en for­me de poi­re“ von Erik Satie, einem Weg­be­rei­ter für zeit­ge­nös­si­sche Musik, der ins­be­son­de­re durch sei­ne Kla­vier­stü­cke „Gym­no­pé­dies“ bekannt gewor­den ist.  

Im letz­ten Teil des Kon­zer­tes wur­den von dem argen­ti­ni­schen Kom­po­nis­ten und Ban­do­ne­on-Spie­ler Astor Piaz­zolla vier sehr unter­schied­li­che Stü­cke für Akkor­de­on und Flü­gel musi­ziert, die aber alle­samt rhyth­mi­sche oder melo­di­sche Ele­men­te des Kon­zert-Tan­gos, der von Piaz­zolla ent­wi­ckelt wur­de, ent­hiel­ten: Ave Maria, Las Ciu­da­des, Bala­da para un loco und Resur­rección del Ángel. Das Publi­kum erklatsch­te sich nach die­sem abwechs­lungs­rei­chen und von Dr. Hes­ter inter­es­sant mode­rier­ten Kon­zert noch eine tän­ze­ri­sche Zugabe.

Hel­ga Maria Lange