Lie­be Schwes­tern und Brü­der im Pastoralen Raum, 

es gibt Men­schen, die ste­hen stän­dig „unter Strom”, die haben dau­ernd was vor, haben immer was zu tun. Von ihnen geht oft eine gewis­se „Betrieb­sam­keit” aus, weil sie so aktiv zu sein schei­nen — und machen damit ande­ren, die bei dem Tem­po nicht mit­hal­ten kön­nen, gele­gent­lich ein schlech­tes Gewis­sen. 

Dom Hél­der Câma­ra (1909–1999), ein Erz­bi­schof aus Bra­si­li­en, der sich sehr für die Men­schen­rech­te ein­setz­te, sieht das eher kri­tisch: „Weißt du, war­um du nie­mals inne­hältst? Du meinst viel­leicht, es geschä­he aus Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl, weil du kei­ne Zeit zu ver­lie­ren hast, aus gering­schät­zi­ger Ableh­nung all des­sen, was dich hin­dert, die flüch­ti­ge Lebens­zeit aufs äußers­te zu nut­zen … In Wirk­lich­keit ver­leug­nest du ganz ein­fach dich selbst, indem du ver­suchst, der Begeg­nung mit dir zu ent­ge­hen.“ 

Wer nie­mals inne­hält, sieht immer nur nach außen, aber nicht nach innen. Der reagiert auf ande­re und ande­res — und ver­liert sich manch­mal dabei selbst. Der erzeugt oft hef­ti­ge Wel­len­be­we­gun­gen an der Ober­flä­che, aber ver­zich­tet dabei auf Tie­fe. Inne­hal­ten, für einen Moment aus­stei­gen aus dem Hams­ter­rad der all­täg­li­chen Ver­pflich­tun­gen, den To-do-Lis­ten, den Erwar­tun­gen an mich selbst. Einen Moment lang Zeit ver­schwen­den, dem fre­chen Spatz zuschau­en, das Gesicht der müden Ver­käu­fe­rin wahr­neh­men, mich selbst spü­ren. Das kann dabei hel­fen, mei­nen eige­nen Weg zu fin­den und zu gehen — und nicht den Weg, den ande­re für mich wol­len. 

Nicht jedes Inne­hal­ten muss gleich ein Gebet sein — aber jedes Gebet ist ein Inne­hal­ten. Ich wechs­le sozu­sa­gen die Per­spek­ti­ve, hole eine ande­re Wirk­lich­keit, die Wirk­lich­keit Got­tes in mein Leben her­ein. Das aber wei­tet mei­nen Blick und damit auch mei­nen Hori­zont, da gibt es ein „du”, das mit mir geht. Ein sol­ches Gebet muss nicht lan­ge sein, ein „Dan­ke, Gott!” oder „Sei bei mir, Gott!” kann schon rei­chen. Es müs­sen noch nicht ein­mal gespro­che­ne Wor­te sein — mich vom Mit­tags­ge­läut der Glo­cken der nahen Kir­che einen Moment unter­bre­chen las­sen und an Gott den­ken oder bewusst eine Ker­ze für jeman­den anzün­den, um den ich mich sor­ge. 

„Unter­bre­chung” ist das kür­zes­te Wort für Reli­gi­on, so hat es der Theo­lo­ge Johann Bap­tist Metz ein­mal gesagt — und mög­li­cher­wei­se auch für Beten. Ich unter­bre­che mich, mei­ne Rou­ti­nen, mei­nen All­tag, das Gewohn­te — um wie­der das Ande­re zu sehen. Oft sind wir so auf „machen” und „tun” pro­gram­miert, dass wir „inne­hal­ten” gar nicht mehr „im Pro­gramm” haben. Sie haben den ers­ten Schritt schon gemacht, indem Sie sich die Zeit genom­men haben, die­sen Impuls zu lesen. 

Vie­le Unter­bre­chun­gen in Ihrem Leben wünscht 

Ihr/Euer

Wolf­gang Winkelmann