Medi­ta­ti­ve Kir­chen­mu­si­ka­li­sche Andacht im Spi­ri­tu­el­len Sommer

„Die Fra­ge nach dem Sinn des Lebens beschäf­tigt den Men­schen seit jeher. Wie und wor­in fin­den wir Sinn in unse­rem Leben? Brau­chen wir Sinn? Wel­chen Sinn hat unser Leben?“ Beson­ders in Stun­den der Not, Trau­er, Ver­zweif­lung spricht die­se Fra­ge ganz kon­kret in die Wirk­lich­keit der Men­schen hin­ein. Das Netz­werk „Wege zum Leben” wid­met sich in die­sen Jah­ren im Rah­men des „Spi­ri­tu­el­len Som­mers“ die­sen Fra­gen in viel­fäl­ti­ger Wei­se durch zahl­rei­che Veranstal­tungen in der Regi­on. 

Unter dem Mot­to „Her­ze­leid und Sinn­su­che — Musik von Johann Sebas­ti­an Bach beglei­tet die Suche nach Sinn“ fand am 24. August um 16.00 Uhr in der Kolum­ba­ri­ums­kir­che Hl. Kreuz eine kir­chen­mu­si­ka­li­sche Andacht statt. 

Krea­tiv und lie­be­voll gestal­te­te Bea­te Angst mit ihrem Ike­ba­na-Schmuck den Got­tes­dienstraum, wobei beson­ders die Son­nen­blu­men the­ma­tisch pass­ten als Sym­bol des Lebens und – wie es in der Hym­ne des Hei­li­gen Jah­res „Pil­ger der Hoff­nung“ heißt – als „Licht des Lebens“ und die „Flam­me unse­rer Hoffnung“.

In der lit­ur­gi­schen Begrü­ßung und der Anspra­che spann­te Irm­trud von Plet­ten­berg den Bogen zu Johann Sebas­ti­an Bach. Sie stell­te her­aus, wie Kla­ge und Trost, Ver­zweif­lung und Hoff­nung in Bachs Leben und Werk Gestalt annah­men. Er saß an den Ster­be­bet­ten sei­ner Kin­der und muss­te erle­ben, dass sei­ne Frau gestor­ben und bereits beer­digt wor­den war, als er von einer Rei­se zurück­kehr­te. Ver­ar­bei­tet hat er das mit sei­nen Kom­po­si­tio­nen. 

Hel­ga Maria Lan­ge prä­sen­tier­te zu Beginn den ers­ten Teil von Bachs berühm­ter Pas­sa­ca­glia in c‑Moll (BWV 582), der Ton­art, die in unse­rem Kul­tur­kreis als melan­cho­lisch, sanft und tief­grün­dig, auch als dun­kel, düs­ter oder trü­be emp­fun­den wird; sie wur­de für alle spä­te­ren Wer­ke die­ser Gat­tung zum Vorbild.

Unmit­tel­bar dar­an folg­te aus der ergrei­fen­den Kan­ta­te „Ich hat­te viel Beküm­mer­nis in mei­nem Her­zen” (BWV 21) die Arie, in deren Text es heißt „Seuf­zer, Trä­nen, Kum­mer, Not / ängstlich´s Seh­nen, Furcht und Tod / nagen mein beklemm­tes Herz / ich emp­fin­de Jam­mer, Schmerz.“ Zwar hör­ten wir den Text nicht, aber der musi­ka­li­sche Aus­druck ließ den Sinn die­ser Wor­te in dem durch Frau Lan­ge ein­fühl­sam gra­vi­tä­tisch vor­ge­tra­ge­nen Werk erahnen.

The­ma­tisch pas­send füg­te sich der Psalm 31, in dem es heißt: „Denn du bist mein Fels und mei­ne Fes­tung; um dei­nes Namens wil­len wirst du mich füh­ren und lei­ten“ ein, eben­so wie das gemein­schaft­lich gesun­ge­ne Lied „Mei­ne Zeit steht in dei­nen Hän­den“ aus dem Got­tes­lob an (GL 784).

Es folg­ten drei wei­te­re für Orgel bear­bei­te­te Kan­ta­ten­sät­ze von J.S. Bach, die tröst­li­chen Cha­rak­ter hat­ten: zunächst die Arie „Scha­fe kön­nen sicher wei­den“ aus der Kan­ta­te Nr. 208; danach aus der Kan­ta­te 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“ der Schluss­teil, eines der wohl popu­lärs­ten Stü­cke Johann Sebas­ti­an Bachs mit den ein­lei­ten­den Wor­ten „Jesus blei­bet mei­ne Freu­de“, und schließ­lich die bekann­te Arie aus dem Weih­nachts­ora­to­ri­um „Schla­fe mein Liebs­ter, genie­ße der Ruh“.

Nach der Ver­le­sung eines Schrift­tex­tes erläu­ter­te Irm­trud von Plet­ten­berg den auf­merk­sam lau­schen­den Zuhö­rern das The­ma die­ser kir­chen­mu­si­ka­li­schen Andacht wei­ter in kla­ren, ruhi­gen, ver­ständ­li­chen Wor­ten, indem sie am Bei­spiel von Johann Sebas­ti­an Bachs Leben und Werk die ein­gangs gestell­ten Fra­gen nach der Sinn­su­che, nach Trost und Hoff­nung in Stun­den von Not, Kla­ge und Ver­zweif­lung auf­griff und weiterführte.

Danach erklang die kunst­vol­le Fuge als Fort­set­zung der ein­gangs gespiel­ten Pas­sa­ca­glia und anschlie­ßend das Choral­vor­spiel „Wer nur den lie­ben Gott lässt wal­ten“ (BWV 647), das zum gemein­schaft­li­chen Gesang des bekann­ten Lie­des GL 424 über­lei­te­te. Nach dem „Vater unser“ und einer Segens­bit­te fand auch der musi­ka­li­sche Teil sei­nen Abschluss mit einem bekann­ten, aus­drucks­star­ken Werk von Johann Sebas­ti­an Bach: der Fan­ta­sie BWV 542 in g‑Moll, und schließ­lich einem wei­te­ren der popu­lärs­ten Bach­wer­ke, das unzäh­li­ge Bear­bei­tun­gen gefun­den hat, näm­lich der „Air“ aus der Orches­ter­suite Nr. 3 (BWV 1068).

Mit dank­ba­rem Applaus für die­se ergrei­fen­de, zum Nach­den­ken anre­gen­de Andacht ver­lie­ßen die Teil­neh­men­den, von denen nicht weni­ge vor und nach der Andacht an den Urnen von Ange­hö­ri­gen oder Freun­den besinn­lich ver­weilt hat­ten, die Kir­che und das Kolumbarium.

Text: Wolf­gang Hein
Fotos: PR Siegen-Freudenberg