Es hat etwas Erha­be­nes, wenn ein Chor und eine Solis­tin geist­li­che Musik­stü­cke anstim­men. So wie beim Kon­zert in der katho­li­schen Kir­che St. Joseph in Wei­den­au, im Rah­men der Kir­chen­mu­sik im Deka­nat Sie­gen. Der Kam­mer­chor Wei­den­au und die Sopra­nis­tin Manue­la Mey­er (Nie­der­fisch­bach) brach­ten zum Hei­li­gen Jahr Wer­ke aus ver­schie­de­nen Epo­chen dar, vom Barock bis zur Moder­ne. Als Beglei­tung an Orgel und Flü­gel konn­te mit Hye­joung Choi die Kan­to­rin des evan­ge­li­schen Kir­chen­krei­ses Alten­kir­chen gewon­nen wer­den. Die Gesamt­lei­tung lag in den Hän­den von Deka­nats­kir­chen­mu­si­ke­rin Hel­ga Maria Lange.

Das Kon­zert hat­te gleich zwei Moti­ve: Zum einen, wie erwähnt, das vom ver­stor­be­nen Papst Fran­zis­kus aus­ge­ru­fe­ne Hei­li­ge Jahr, wo die Chris­ten als „Pil­ger der Hoff­nung“ unter­wegs sind und zum ande­ren lau­te­te das Mot­to: „So weit wie der Hori­zont“. Die­ses The­ma passt wun­der­bar zum Som­mer mit sei­nem strah­lend blau­en Him­mel der in die Wei­te führt. Chor und Sopra­nis­tin grif­fen das Motiv gleich mit dem ers­ten Stück auf: „Es ist Wei­te in Got­tes Gna­de, wie der Hori­zont so weit“, aus der Feder des zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­nis­ten Mau­rice Bevan. Das The­ma Wei­te spie­gel­te sich in ver­schie­de­nen Stü­cken wider, die von der unend­li­chen Gna­de des Herrn han­deln: „Denk ich, Gott, an Dei­ne Güte“ (Haydn) und „Herr, wir trau­en auf dei­ne Güte“ (Men­dels­sohn-Bar­thol­dy). Ein Dank führt aus der Enge in die Wei­te: „Dank sei dir Herr“ (Hän­del) – ein abschlie­ßen­der Höhe­punkt des Konzerts.

Die Her­aus­for­de­rung in den Dar­bie­tun­gen lag dar­in, die Stü­cke, im Wech­sel oder zusam­men gesun­gen, ein­heit­lich zu inter­pre­tie­ren. Dies ist Chor und Solis­tin ein­drucks­voll gelun­gen. Und so wei­te­te sich nicht nur der Hori­zont musi­ka­lisch, son­dern auch das Herz der Zuhö­rer im gut besuch­ten Got­tes­haus. Die Wei­te zeigt sich auch im Geist Got­tes – „I will sing the Spi­rit“, heißt es bei John Rut­ter. Der Kam­mer­chor meis­ter­te die Wer­ke in die­sem anspruchs­vol­len Pro­gramm kraft­voll und mit inspi­rie­ren­der Inter­pre­ta­ti­on und auch die Sopra­nis­tin Manue­la Mey­er über­zeu­ge mit klang­vol­ler Stim­me bis in die höchs­ten Ton­la­gen beim „Ave Maria“ von Fer­nand de la Tom­bel­le und auch auf berüh­ren­de Art und Wei­se wie beim Stück „Ecce Panis ange­lorum“ (Guill­mant). 

Abge­run­det wur­den die Vor­trä­ge von Tex­ten von und mit Eli­sa­beth Wel­ler (Neun­kir­chen). Sie gab den Zuhö­rern span­nen­de Impul­se zu The­men wie Frie­den, Wun­der und Hoff­nung. Dechant Karl-Hans Köh­le bedank­te sich bei Hel­ga Maria Lan­ge, dem Kam­mer­chor Wei­den­au, Solis­tin Manue­la Mey­er und Pia­nis­tin Hye­joung Choi für die gefühl­vol­len Dar­bie­tun­gen mit einem som­mer­li­chen Blu­men­gruß. Zuvor stimm­ten Chor und Sopra­nis­tin gemein­sam mit den Zuhö­rern die Hym­ne zum Hei­li­gen Jahr, „Licht des Lebens“ an. Das Kon­zert war eben­falls ein Licht­blick in doch unru­hi­gen Zeiten.

Clau­dia Geimer