Unter dem Mot­to „Veni crea­tor spi­ri­tus“ erklang am Pfingst­sonn­tag nach dem Hoch­amt eine Orgel­ma­ti­née mit pfingst­li­chen Orgel­wer­ken. Wie bei den monat­li­chen Mati­né­en üblich, gab Frau Lan­ge zu Beginn eine infor­ma­ti­ve Ein­lei­tung in das Pro­gramm, begin­nend mit Erläu­te­run­gen zum Hym­nus „Veni, crea­tor spi­ri­tus, men­tes tuo­rum visi­ta“.  Der latei­ni­sche Text ist im Got­tes­lob zu fin­den unter der Nr. 341 und in der deut­schen Über­set­zung „Komm, Heil­ger Geist, der Leben schafft, erfül­le uns mit dei­ner Kraft“ im Got­tes­lob unter der Nr. 342. Die Melo­die ent­stand um das Jahr 1000 in Kemp­ten, der latei­ni­sche Text, den man in unter­schied­li­chen deut­schen Über­set­zun­gen fin­den kann, stammt aus dem 9. Jh. und wird Hra­ba­nus Mau­rus zuge­schrie­ben. Die Kom­po­nis­ten haben sich durch alle Jahr­hun­der­te hin­weg von die­ser wun­der­ba­ren, gre­go­ria­ni­schen Melo­die inspi­rie­ren las­sen und auf je eige­ne Wei­se ver­tont. 

Frau Lan­ge spiel­te dazu zunächst Choral­be­ar­bei­tun­gen von den baro­cken Meis­tern Johann Gott­fried Walt­her und Johann Sebas­ti­an Bach. 

Von J. G. Walt­her, einem Zeit­ge­nos­sen Bachs erklang außer­dem der bekann­te öku­me­ni­sche Cho­ral „Nun bit­ten wir den hei­li­gen Geist“. Von J. S. Bach inter­pre­tier­te Frau Lan­ge auch die groß­ar­ti­ge Fan­ta­sie über den Cho­ral „Komm hei­li­ger Geist, Her­re Gott“, in der der can­tus fir­mus unter dem drei­stim­mi­gen Manu­al­spiel deut­lich im Pedal zu hören war.

Danach erklang von dem fran­zö­si­schen Kom­po­nis­ten Mau­rice Duru­flé das Werk „Veni crea­tor“ in der Ton­spra­che des fran­zö­si­schen Impres­sio­nis­mus. Nach dem Cho­ral erklan­gen vier Varia­tio­nen, dar­un­ter ein Kanon zwi­schen Pedal und Ober­stim­me, dann eine ganz ver­hal­te­ne Varia­ti­on, wie­der mit dem can­tus fir­mus im Pedal, und schließ­lich eine Toc­ca­ta, die sich immer mehr bis zum For­tis­si­mo steigerte.

Anschlie­ßend spiel­te Frau Lan­ge Varia­tio­nen über das Neue Geist­li­che Lied „Atme in uns, hei­li­ger Geist“ (GL 346) von Ste­fan Tren­ner, einem Kir­chen­mu­si­ker, der letz­tes Jahr mit nur 57 Jah­ren ver­stor­ben ist. Ste­fan Tren­ner wirk­te als Orga­nist, Chor­lei­ter und als Instru­men­tal- und Musik­leh­rer am Gym­na­si­um; außer­dem nahm er sich immer wie­der die Zeit zum Kom­po­nie­ren, meis­tens Choral­va­ria­tio­nen für die Orgel.  

Es folg­te dann von Hen­ri Mulet, einem fran­zö­si­schen Kom­po­nis­ten und Orga­nis­ten, der im 19. Jh. in Paris und ande­ren Städ­ten Frank­reichs gewirkt hat, das „Tu es Petra“. Der Titel „Tu es Petra et por­tæ infe­ri non præ­va­lebunt adver­sus te“ (dt. „Du bist der Fel­sen, und die Pfor­ten der Höl­le wer­den dich nicht über­wäl­ti­gen“) ist ein Bibel­zi­tat aus dem Mat­thä­us­evan­ge­li­um (Mt 16,18) und ver­weist auf den hei­li­gen Petrus, der als Schutz­pa­tron der Basi­li­ka Sacré-Cœur in Paris ver­ehrt wird. Dort waren die Eltern von Hen­ri Mulet als Musi­ker tätig, als sich die Kir­che noch im Bau befand, sein Vater als Chor­lei­ter, sei­ne Mut­ter als Har­mo­ni­um-Spie­le­rin. Das Werk ist daher eine musi­ka­li­sche Hom­mage an die­se Kir­che und ihre reli­giö­se Bedeu­tung. Ein wahr­haft pfingst­li­ches Werk, das durch sei­ne raschen, in schnel­ler Fol­ge wech­seln­den und sich wie­der­ho­len­den Figu­ren den Ein­druck erwe­cken konn­te, das Wir­ken des Hei­li­gen Geist gleich­sam dar­aus her­vor sprü­hen zu hören.   

Noch ein­mal erklang das Melo­diethe­ma von „Veni crea­tor“ dann in der Kom­po­si­ti­on „Joy and Peace“ von dem bel­gisch-ame­ri­ka­ni­schen Orga­nis­ten, Chor­lei­ter, Kir­chen­mu­si­ker und Kom­po­nis­ten Noël Goe­man­ne, der 2010 ver­stor­ben ist, in einer hei­te­ren, rhyth­misch inter­es­san­ten Bearbeitung.

Abschlie­ßend spiel­te Frau Lan­ge noch eine groß ange­leg­te Choral­be­ar­bei­tung von dem 1950 gebo­re­nen kana­di­schen Kom­po­nis­ten Denis Bédard, der den Mot­to-Cho­ral als Toc­ca­ta im gemä­ßigt moder­nen Stil wir­kungs­voll ver­tont hat.

Die Mati­née stell­te eine wun­der­ba­re Ergän­zung des fei­er­li­chen Hoch­am­tes dar und ver­stärk­te und erwei­ter­te durch Frau Lan­ges teils ruhig ein­fühl­sa­me, teils vir­tuo­se Inter­pre­ta­tio­nen zum The­ma „Komm hei­li­ger Geist“ das Pfingst­ge­sche­hen in einer Wei­se, die bei begeis­ter­ten Zuhö­re­rin­nen und Zuhö­rern einen nach­hal­ti­gen Ein­druck hinterließ.

Text: Wolf­gang Hein